Ein Tag im Kloster

NRZ Mülheim vom 26.10.2008 - Dr. Thomas Emons

Das neue Saarner Klostermuseum öffnete am Samstag zum ersten Mal seine Pforten. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit und machten sich ein Bild von der jahrhundertealten Geschichte des Klosters.

Besucher des Klostermuseums - Foto: Thomas Emons

Besucher des Klostermuseums
Foto: Thomas Emons

Gar nicht so einfach mit einer Gänsefeder zu schreiben, zumal wenn die Beleuchtung in diesem Teil des Kellergewölbes von Kloster Saarn nur aus einigen Kerzen besteht, die den Raum nicht wirklich hell, sondern nur halbdunkel werden lassen. Jan Träger versucht es trotzdem. Doch nachdem die Feder ein paar Mal umgeknickt ist, steigt er lieber auf eine stabilere Stahlfeder um und schon klappt es mit den Buchstaben. „Die Kinder sollen erleben, unter welchen Bedingungen damals in den Klöstern gearbeitet wurde“, erklärt der Museumspädagoge Marcus Danguillier, der Jan assistiert und sich zur Feier des Tages in eine Mönchskutte geworfen hat. „Die Erläuterungen sind wirklich gut“, findet Jan, nachdem er zusammen mit seiner Mutter Anja das neue Museum im Kellergewölbe genauer in Augenschein genommen hat. Und er staunt: „Was die hier alles ausgegraben haben.“ Das kann sich tatsächlich sehen lassen. Das Tischgeschirr der Zisterzienser-Nonnen, die hier von 1214 bis 1808 gelebt, gebetet und gearbeitet haben, kann man ebenso in Glasvitrinen betrachten, wie die Gefäße, in denen sie ihre selbst angebauten und kreierten Heilkräuter und Salben aufbewahrten oder ihre Rosenkränze, die sie aus Schafsknochen hergestellt hatten und nicht zu vergessen die Lederschuhe der Klosterfrauen, nebst Schusterwerkzeugen. Im Kloster Saarn muss es also nicht nur eine Schafszucht, sondern auch eine Schumacherwerkstatt gegeben haben. Ein Brunnen, ein steinernes Ausgussbecken und die Reste einer aus Ton gebauten Wasserleitung zeugen ebenso vom Alltagsleben, wie die Tonpfeifen der Stiftsdamen oder ein aus der Renaissance stammender Kachelofen. Auf einer Infotafel erfährt man, dass Wohltäter und Gönner des Klosters eben dort mit ihren Familien oft die letzte Ruhe fanden. Nicht minder verwundert die in einer Vitrine ausgestellte Pistole. Sie erzählt von der wenig christlichen Nachfolgenutzung des Klosters, das nach seiner Auflösung unter anderem zur Gewehrfabrik umfunktioniert wurde. Bei einer Führung durch das 140 Quadratmeter große Klostermuseum erzählt Hans Theo Horn vom Verein der Freunde Kloster Saarns von den vielen 1000 Scherben, die bei den Ausgrabungs- und Restaurierungsarbeiten in den 80er Jahren gefunden wurden und in mühevoller Kleinarbeit wieder zusammengesetzt wurden. Was sie bei einer Führung über das Saarner Klosterleben gelernt haben, haben Schüler der Grundschule am Klostermarkt für eine kleine Ausstellung im Kreuzgang aufgeschrieben und -gemalt. Da sieht man eine Nonne beim Gießen des Kräutergartens oder bekommt erklärt, was es mit der Nonnenempore in der Klosterkirche auf sich hatte. Erwachsene erfahren bei einem Vortrag der aus Mülheim stammenden und heute im österreichischen Zisterzienserkloster Marienkron lebenden Äbtissin Schwester Mirjam, dass der Spagat zwischen Ora et Labora auch für moderne Klosterfrauen eine tägliche Kraftanstrengung und Herausforderung ist. Dass sich die Kraftanstrengung der Freunde des Klosters gelohnt hat, zeigt die Publikumsresonanz. Ingrid und Hans Hendricks meinen: „Dieses Museum wirkt, wie aus dem Leben gegriffen. So kann jeder verstehen, was hier gewesen ist.“

 

Das Klostermuseum ist samstags und sonntags (10-17 Uhr) und mittwochs von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Kinder zahlen einen und Erwachsene zwei Euro Eintritt.

Aktualisierung: 10.11.2008 - 17:35 / Redakteur: H.Dickmann
eine Seite zurückzum Seitenanfangzur HomepagelogIN