"Hinter Klostermauern"

WAZ vom 2.7.2009, ein Bericht von Andrea Hoymann

Die Heldin des neuen Museumsführes für das Kloster Saarn ist ein Nachtgespenst.

Geralda sitzt auf dem Rand ihres Nachttopfes und blickt vergnügt in die Welt. Als Gewölbegespenst begibt sie sich nicht etwa an diesen Ort, um sich zu erleichtern, sondern um besser nachdenken zu können. Geralda ist die Heldin des neuen Museumsführers für das Kloster Saarn. Unter dem Titel „ora et labora - bete und arbeite“ erzählt das Gespenst in Anekdoten aus dem Alltag des Zisterzienserordens.


„Wir haben nach einer Umsetzung gesucht, die Kinder und Erwachsene zu einer Entdeckungsreise im Museum einlädt“, berichtet Hans-Theo Horn, stellvertretender Vorsitzender der Freunde und Förderer des Klosters Saarn e.V. Relativ schnell konnte man sich deshalb für die Idee von Gudrun Linde begeistern, ein Gespenst zum Klosterexperten zu erklären. „Ein Gespenst kann frech sein und alle mit Du anreden“, erläutert der kreative Kopf des Projekts die Vorteile der Körperlosigkeit. Außerdem sei es Geralda zuzutrauen, sich an rund 800 Jahre Geschichte zu erinnern.

 

So ist auf 60 Seiten mit finanzieller Unterstützung der Leonard-Stinnes-Stiftung ein liebevoll gestaltetes Gesamtwerk entstanden, in dem auf humorvolle und anschauliche Weise erklärt wird, was eigentlich ein Refektorium (Speisesaal in einem Kloster) ist und dass Wachstafeln so etwas wie die „Notebooks“ der Nonnen waren. Jedes Kapitel wird mit einer Illustration von Klaus Wichmann eingeleitet. Die Gegenstände, die in den jeweiligen Geschichten vorkommen, werden in Fotos abgebildet. Das „wie“ steht dabei klar im Vordergrund. „Es ist nicht so wichtig, dass die Kinder wissen, wann etwas passiert ist, sondern wie das Leben war“, sagt Wolfgang Geibert, der häufig Gruppen durch das Klostermuseum führt.

 

Damit möglichst viele Kinder und Erwachsene erfahren, wie viel Leben in den Klostermauern steckte und spätestens seit der Eröffnung des Klostermuseums wieder steckt, spendet der Verein einen Teil der insgesamt 1000 gedruckten Exemplare. „Wir wollen jeder Mülheimer Grundschule zwei Exemplare des Museumsführers zur Verfügung stellen“, sagt Jörg Enaux, Vorsitzender des Vereins. Außerdem gibt es das Buch für 8 € im Museumsshop zu kaufen.

 

Zugleich mit dem Museumsführer ist auch ein kostenloses Faltblatt mit einem generellen Überblick über den Rundgang im Klostermuseum entstanden. Dies solle Besuchern bei der Orientierung helfen. Das Interesse daran ist jedenfalls groß. Seit der Eröffnung im Oktober 2008 haben knapp 3500 Menschen sich die Ausstellung angesehen.

Aktualisierung: 23.10.2009 - 18:57 / Redakteur: H.Dickmann
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