Die Reden wurden schon gehalten. Freitagnachmittag wurde das Klostermuseum offiziell eingeweiht. Dass das Kloster Saarn nicht nur museumsreif, sondern auch zukunftsfähig ist, betonte Dr. Michael Schlagheck. Der Direktor der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ sprach mit WAZ-Mitarbeiterin Julia Damm über dort bald Anstehendes:
Das Kloster Saarn soll im Rahmen eines Projekts des Essener Bistums Teil der Kulturhauptstadt 2010 werden. Wie das?
Schlagheck: Im Bistum soll ein Netz von 50 „spirituellen Kulturtankstellen“ gespannt werden – und das Kloster Saarn wird eine davon. Ziel dabei ist es, bei den Menschen ins Bewußtsein zu heben, dass an diesem Ort Kultur gelebt wurde und auch heute noch wird.
Was verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter Kultur?
Schlagheck: Bei dem Begriff „Kultur“ denken wir oft an die Philharmonie oder an Schauspielhäuser. Doch im Grunde ist Kultur eine Sammlung von Lebensdeutungen. Sie zeigt uns etwa, wie Shakespeare mit Gefühlen wie Liebe oder Hass umging, wie er sie deutete. Wenn eine Region Kulturhauptstadt wird, darf man das nicht außerachtlassen.
Wieso ist das Kloster Saarn ein dafür geeigneter Ort?
Schlagheck: Mit den Kulturtankstellen wollen wir zeigen, wie in der Vergangenheit Kultur gelebt und gedeutet wurde und welchen Einfluss das auf die Zukunft hat. Und in Saarn kann man das gut sehen. Auch die Zisterzienserinnen haben dort ihr Leben gedeutet, Kultur hinterlassen, die nun im Museum gezeigt wird. Doch bleibt es nicht beim Musealen: Es gibt dort etwa eine große Bücherei, einen Ort der Begegnung, der auf die Zukunft gerichtet ist.
Warum ist es für das Bistum Essen wichtig, sich an den Projekten zur Kulturhauptstadt 2010 zu beteiligen?
Schlagheck: Auch das kann man in Saarn, im Klostermuseum und an der Geschichte der Zisterzienserinnen exemplarisch sehr gut sehen: Weil Glauben einfach ein wichtiger Teil der Kultur der Region ist. Denn die Kulturtankstellen sollen auch hinterfragen, wie die Kirche das Ruhrgebiet geprägt hat – und das bereits vor der Industrialisierung.