Neues Museum zeigt Nachtgeschirr der Nonnen

WAZ vom 12.10.2008 - Bericht von Margitta Ulbricht

800 Jahre Geschichte kommen im Mülheimer Kloster Saarn wieder zum Vorschein. Lokales zum Anfassen ist die Devise in einem Museum, das den Alltag lebendig werden lassen will.

Wolberna hieß die erste Äbtissin, sieben weitere sollten ihr folgen. Im Peter-und-Paul-Altar der Kirche hatte Wolberna die Nachricht hinterlassen, dass das Kloster Saarn in Mai 1214 gegründet wurde. Es war das erste Nonnenkloster des Zisterzienser-Ordens. Hinter den altehrwüdigen Mauern verbirgt sich eine fast 800-jährige Geschichte. Und die kommt im Kellergewölbe, klein aber fein, auf 140 Quadratmetern wieder zum Vorschein, im Museum Kloster Saarn, das am 24. Oktober eröffnet wird.

 

Die Nonnen waren ganz schön tüchtig. Um 1500 besaß der Orden 25 Güter allein in Mülheim, dazu kamen ein beträchtlicher Besitz auf der anderen Rheinseite sowie Schenkungen. Einen Einblick in die Wirtschaftskraft, die Arbeitswelt und den Alltag geben Exponate wie Werkzeuge, Schmuck, Gläser, Schnallen und alles andere, was gebraucht wurde.
 

"Lokalgeschichte live zum Anfassen"

Die Wasserversorgung von damals ist ebenso nachgebaut wie eine mittelalterliche Herdstelle. Zu sehen ist beispielsweise das künstlerisch gestaltete Nachtgeschirr der Damen oder die "Apotheke" mit Tiegeln und Tuben.

Das Besondere daran: Alles stammt vom Kloster und dem Gelände. Es sind Grabungsfunde, die bei den Restaurierungsarbeiten von 1979 bis 1988 zum Vorschein kamen.

 

"Lokalgeschichte live zum Anfassen", sagt Hans-Theo Horn vom Förderverein "Freunde Kloster Saarn". Das Museum solle nicht nur wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, sondern auch Kinder und Jugendliche mitnehmen. So gibt es ein "Skriptorium", eine Schreibstube wie im Mittelalter, und die Kornmühle, wo Kinder werkeln können.

 

Das Kloster Saarn zu erhalten hat sich der Förderverein auf die Fahnen geschrieben. Die rund 480 000 Euro, die das Museum kostet, das ehrenamtlich geführt wird, haben die "Freunde Kloster Saarn" etwa zur Hälfte gestemmt. Zur Eröffnung des Museums an der Klosterstraße 55 wird am 25. und 26. Oktober ab 11 Uhr ein Klosterfest gefeiert.

Aktualisierung: 24.10.2008 - 16:16 / Redakteur: H.Dickmann
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