Odyssee der Reliquien beendet

Nach einer Odyssee sind Reliquien aus dem frühen 13. Jahrhundert an ihren Bestimmungsort zurückgekehrt und seit Anfang April 2010 in einem schmucken Schrein in der „Schatzkammer-Vitrine“ des Klostermuseums zu besichtigen. Dieser Schrein wurde von dem Saarner Juwelier Jochen Laerbusch gestiftet.

Zum 175-jährigen Jubiläum der Stadt Mülheim an der Ruhr im Jahr 1983 beteiligte sich die Katholische Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt mit einer Ausstellung „Kunst- und Kulturgegenstände aus der Klosterkirche“.
Bei der Vorbereitung dieser Ausstellung im Rathausfoyer machten sich Leo Werry und Hans-Theo Horn auf die Suche nach Kunstwerken und liturgischen Geräten, die auf einem Foto von der letzten Ausstattung der Altaranlage der Klosterkirche zu sehen sind. Diese Exponate waren seit Jahrzehnten irgendwo „zwischengelagert“ oder galten als „verschollen“.
Bei der Suche entdeckten Leo Werry und Hans-Theo Horn auf dem Dachboden des ehemaligen Pfarrhauses an der Klosterstraße u.a. ein Döschen mit der Aufschrift „Union Pillen - Gabe bei Verstopfung 2-4 Stück abendlich“. Doch statt dieser Pillen enthielt das Döschen vier beschriftete Pergamentstreifen und Knochenreste.
Leo Werry und Hans-Theo Horn übergaben seinerzeit das Döschen Pater Klaus, dem damaligen Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde, mit der Bitte, in nächster Zeit nach der Herkunft des Inhalts nachforschen zu dürfen. Aber es kam erst viele Jahre später dazu, und zwar mit der Errichtung des Museums im Kloster Saarn.

Zwischenzeitlich hatte die geistliche Leitung der Katholischen Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt mehrfach gewechselt und das Döschen war in Saarn nicht aufzufinden bzw. niemand konnte sich an die Existenz erinnern. Doch Leo Werry und Hans-Theo Horn gaben nicht auf.
Vielleicht hatte ein früherer Pfarrer das Döschen aus Sorge, es könnte sonst verloren gehen, mit an seine neue Pfarrstelle genommen. Und so war es. Pater Bernhard hatte das Döschen mit an seine neue Pfarrstelle in Übach-Palenberg genommen. Er wollte es nach Saarn zurückbringen, wenn es dort einen angemessenen Platz dafür gibt. Leo Werry und Hans-Theo Horn waren gleichermaßen erleichtert wie überglücklich, den Reliquien mit den Pergamentstreifen im Klostermuseum endlich einen angemessenen, würdigen Platz geben zu können.

Nach dem Tod von Leo Werry (2008) machte sich Hans-Theo Horn allein auf den Weg, die Herkunft der Reliquien und der Pergamentstreifen erforschen zu lassen. Er wurde bei dieser Spurensuche unterstützt u.a. von der Universität Bochum, vermittelt von Dr. Kai Rawe, dem Leiter des Stadtarchivs der Stadt Mülheim an der Ruhr.
Das Ergebnis bestätigte die Vermutung auch von Pater Bernhard, dass die Pergamentstreifen entsprechend der darauf verzeichneten Schriftreste aus dem frühen 13. Jahrhundert stammen. Außerdem wurde festgestellt, dass die Reliquien den Märtyrern um den Kreis der hl. Ursula, des hl. Gereon und des hl. Eliphius, den Stadtpatronen von Köln, zuzuordnen sind. Bleibt die spannende Frage, wie kommen diese Pergamentstreifen und Reliquien nach Saarn? Hans-Theo Horn hat hierfür folgende Erklärung:
      "In der Zeit von 1216 bis 1221 hat Erzbischof Engelbert von Köln nachweislich einer Urkunde das Kloster Saarn besucht. Bei diesem Besuch hat er als Gastgeschenk für den ersten Altar des Saarner Klosters die Reliquien mitgebracht."

Seit wenigen Tagen sind die Reliquien mit den Pergamentstreifen in einem schmucken Schrein in der „Schatzkammer-Vitrine“ des Klostermuseums zu besichtigen. Dieser Schrein wurde gestiftet von dem Saarner Juwelier Jochen Laerbusch.

Aktualisierung: 11.01.2011 - 16:58 / Redakteur: H.Dickmann
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