Das hat sich auch bei der Einrichtung des neuen Klostermuseums bewährt. Das neue Klostermuseum, das rechtzeitig zum 200. Geburtstag der Stadt Mülheim und der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt eröffnet werden konnte, gewährt seinen Besuchern im Kellergewölbe unter der Klostercafe aufschlussreiche Einblicke in den Alltag der Zisterzienserinnen, die von 1214 bis 1808 im Kloster Saarn lebten, beteten und arbeiteten.
In einer Ausstellung, deren Konzeption auf dem Regiebuch des am 25. Oktober verstorbenen Vereinsgründungsmitglieds Leo Werry basiert, stößt man auf Zeitzeugnisse, die uns etwas über die Infrastruktur des vor 200 Jahren aufgehobenen Klosters erzählen. Wir sehen etwa einen Trinkwasserbrunnen und eine mittelalterliche Herdecke, ein steinernes Ausgussbecken, die Reste einer aus Ton gebauten Wasserleitung oder einen Kachelofen aus der Renaissance. Es sind aber vor allem die kleinen Gebrauchsgegenstände, vom Rosenkranz, den die Klosterfrauen seinerzeit aus Schafsknochen hergestellt haben über alte Lederschuhe und Schusterwerkzeug bis zum aus verschiedenen Epochen stammenden Tischgeschirr, die uns den Klosteralltag näher bringen..
Der größte Teil der 500 Museumsexponate, die uns jetzt, scheinbar selbstverständlich vom Alltag der Zisterzienserinnen in Saarn berichten, wurden bereits während der Restaurierung von Kloster Saarn in den 80er Jahren von Archäologen ausgegraben. Schon vor 25 Jahren, als man in Saarn die Idee des damaligen Ruhrbischofs Franz Hengsbach aufgriff und den heute 130 Mitglieder zählenden Verein der Freunde und Förderer von Kloster Saarn ins Leben rief, reifte die Idee, die dem Vergessen entrissenen Fundstücke in einem Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Konzepte wurden entwickelt. Doch sie scheiterten immer wieder am Geld. So blieb es über Jahre bei Einzelausstellungen. Besonders zeit- und kostenintensiv war die immer noch nicht ganz abgeschlossene Rekonstruktion diverser Gebrauchsgegenstände. Inzwischen konnten immerhin schon gut 100 Gefäße vom Trinkglas bis zum verzierten Nachttopf aus Scherben neu zusammengesetzt werden. Neben archäologischen Fundstücken, zu denen auch die Pfeifen der Stiftsdamen oder die Aufbewahrungsgefäße für die im Klostergarten angebauten Heilkräuter gehören, bieten 15 Bild- und Texttafeln einen anschaulichen und leicht verständlichen Überblick der Klostergeschichte. Die in einer Vitrine ausgestellte Pistole lässt den Besucher allerdings stutzen. Doch die dazugehörende Texttafel bringt des Rätsels Lösung. Das Kloster war nach seiner Aufhebung zeitweise eine Gewehrfabrik.
Nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ können die kleinen Museumsbesucher, wie einst die Nonnen und Mönche mit Mühlsteinen ihr Mehl mahlen oder in eine Kutte gewandet mittelalterliche Bildinitialen malen. Das Klostermuseum, das jetzt in einer Gemeinschaftsanstreuung durch private, vom Verein der Freunde und Förderer des Klosters Saarn zusammengetragene Spenden, durch die Mülheimer Sparkasse, die Leonhard-Stinnes-Stiftung und den Landschaftsverbandes Rheinland mit insgesamt 500.000 Euro finanziert werden konnte, überzeugt durch seine kompakte Konzeption, die Geschichte leicht erlebbar macht und niemanden mit Informationen überfrachtet. Thomas Emons
Das von 25 ehrenamtlichen Mitarbeitern betreute Museum im Kloster Saarn (Klostermarktstraße) ist samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr und (bis Ende des Jahres) auch mittwochs von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Und ab Mülheim Hauptbahnhof mit der Buslinie 132 erreichbar. Erwachsene zahlen zwei- und Kinder einen Euro Eintritt. Gruppenführungen kosten 30 Euro. Auskunft gibt hierzu Wolfgang Geibert unter der Rufnummer: 0208/436467 Informationen im Internet unter: www.museum-kloster-saarn.de