Im Anschluss an die diesjährige Mitgliederversammlung begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Jörg Enaux, 30 Ehrengäste und 80 Vereinsmitglieder zur offiziellen Eröffnung der Ausstellung im Bürgersaal des Klosters. Er erläuterte, wie es zur „Idee einer Ausstellung in der Ausstellung“ kam und betonte, dass es von jeher das Anliegen des Vereins sei, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die kulturellen Wurzeln der Region am Beispiel des Klosters Saarn zu wecken. Inhalt, Konzept und das Rahmenprogramm, wie mögliche Schülerprojekte stellte die Kuratorin der Ausstellung, die Historikerin Dr. Ina Germes-Dohmen, vor. Dr. Kai Rawe, Leiter des Mülheimer Stadtarchivs, erläuterte die Objektauswahl, die ja nur einen Bruchteil der 112 Saarner Urkunden im Stadtarchiv betreffen.
Die Geschichte des Klosters Saarn führt weit zurück ins Mittelalter. Das Kloster Mariensaal,
auf lateinisch „aula beatae Mariae“, wurde 1214 als Zisterzienserinnenkloster gegründet. 1808 wurde es im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Urkunden aus dieser langen Geschichte, Meilensteine im Saarner Klosterleben, präsentiert der Verein der Freunde und Förderer des Klosters Saarn in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr im Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010. Die Urkunden geben Zeugnis von der Einbindung des Saarner Klosters in die europäische und kirchliche Geschichte seiner Zeit. In der ältesten Urkunde des Mülheimer Stadtarchivs von 1221 übertrug Erzbischof Engelbert von Köln dem Kloster Mariensaal einen Wald zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz. Kein geringerer als Papst Honorius III, aber auch Landesfürsten wie Herzog Wilhelm von Jülich-Berg oder kirchliche Würdenträger wie der Kölner Nuntius Fabius Chisius bezeugen durch von ihnen ausgestellte Urkunden von ihrem Interesse am Wohlergehen des Saarner Klosters.
Vier Exponate zeigt die Ausstellung. Drei davon sind Originalurkunden aus dem Mülheimer Stadtarchiv: die Urkunde Engelberts, Erzbischof von Köln (* ~1185, +1225 ermordet auf dem Gevelsberg) aus dem Jahr 1221, eine Urkunde Herzogs Wilhelm IV von Jülich-Berg (*1475, +1511) von 1478 und eine Urkunde des päpstlichen Nuntius für die Rheinlande, des Bischofs Fabius Chisius (*1599, +1667) von 1642. Das vierte Ausstellungsstück ist ein Faksimile des Privilegs des Papstes Honorius (* ~1150, +1227) an das Saarner Kloster aus dem Jahr 1223, das Original befindet sich im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. In allen Fällen wird deutlich, dass es den weltlichen und geistlichen Herren um das Wohlergehen des Klosters Mariensaal sehr gelegen war und sie die Zisterzienserinnen mit Sonderrechten oder Schutzbriefen ausstatteten oder auch als Streitschlichter zum Wohle des Klosters fungierten.
Die Beschränkung auf eine kleine Anzahl von Objekten ist nicht nur im fehlenden Platzangebot in der bestehenden Dauerausstellung des Saarner Klostermuseums begründet, sie ist auch didaktisch gerechtfertigt. Die geringe Anzahl erlaubt es, die Besucher mit Besonderheiten der Urkunden vertraut zu machen und Anreize für das genaue Hinsehen zu geben. So bieten die Objektbeschriftungen nicht nur Zusammenfassungen des Inhalts, sondern geben auch Lesehilfen und klären Besonderheiten im Schriftbild oder beim Siegelabdruck auf. Damit die Gäste dafür auch das notwendige Hintergrundwissen haben, klären weitere Texttafeln in eingängiger Sprache über Urkundenwesen im Allgemeinen, über den Beschreibstoff Pergament, über die Entwicklung der Schrift im Laufe der Jahrhunderte und über das Siegel als Beglaubigungsmittel auf.
Im Anschluss an die offizielle Eröffnung bestand Gelegenheit, sich im Klostermuseum selbst einen Eindruck von der Sonderausstellung zu verschaffen. Frau Dr. Ina Germes-Dohmen, Herr Dr. Kai Rawe, Herr Wolfgang Geibert und die Gestalter Sandra und Günter Marquardt standen hier für Fragen der Besucher zur Verfügung.
Die Sonderausstellung ist vom 22. Mai bis 29. September 2010 jeweils mittwochs und samstags von 15:00 - 18:00 Uhr und sonntags von 10:00 - 17:00 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 2,00 € für Erwachsene und 1,00 € für Schüler(innen) bis 14 Jahre.
Für Schulklassen gibt es museumspädagogische Angebote, die sich mit dem Thema Schrift, Siegel, Urkunde auseinandersetzen. Auskünfte hierzu gibt Wolfgang Geibert, Tel. 0208 - 436467.




