Tausende von Autofahrern kommen täglich an der schönen Anlage des ehemaligen Saarner Klosters vorbei. Doch nur die wenigsten werden ahnen oder gar wissen, was sich früher hinter den Mauern des Bauwerks abspielte, als dort die Zisterzienserinnen lebten und arbeiteten. Diese Wissenslücke kann ab Samstag auf ebenso anschauliche wie unterhaltsame Weise geschlossen werden, denn an diesem Tag öffnet das neue Klostermuseum seine Türen. In der jüngsten Geschichte der Ruhrgebietsstädte dürfte Mülheim damit ziemlich einmalig dastehen: Wo andere Kommunen um den Erhalt ihrer Museen bangen, wird mit dem Klostermuseum – nach dem Ledermuseum 2003, der Camera Obscura 2006 und dem Gründer- und Unternehmermuseum vor einem Monat – nun das vierte Museum in fünf Jahren eröffnet.
500 000 Euro wurden dafür in die Hand genommen, gut die Hälfte davon steuerten die Leonhard-Stinnes-Stiftung, der Landschaftsverband Rheinland und die Mülheimer Sparkasse bei, den nicht geringen Rest finanzierte der mittlerweile 130 Mitglieder starke Verein der Freunde und Förderer des Klosters Saarn aus eigenen Mitteln und durch privates Engagement. Ehrenamtler des Vereins, der Träger des neuen Museums ist, gestalteten das Ausstellungskonzept, das dem „Drehbuch” des langjährigen Vereinsmitglieds Leo Werry folgt. Und Ehrenamtler werden auch künftig das Museum betreuen. Man bemühe sich, bis Ende des Jahres auf 150 Mitglieder und mittelfristig auf 200 Mitglieder zu kommen, damit sich die Unterhaltung des Museums finanziell von allein trage, sagt Vorsitzender Jörg Enaux. Zum 25. Geburtstag macht der Verein das Museum nun sich selbst und den Mülheimern zum Geschenk.
Im Kellergeschoss wurden 140 Quadratmeter zur Ausstellungsfläche ausgebaut, nachdem es zunächst Überlegungen gegeben hatte, das Museum oberirdisch oder großflächig unterirdisch zu bauen. Von beiden Ideen hatte man aus Kostengründen Abstand genommen. Und so sind nun zwei Kellerräume verwandelt worden, die anhand von modern gestalteten Tafeln, alten Fundstücken aus dem Klosterareal und Nachbauten von einer mittelalterlichen Herdstelle und der mittelalterlichen Wasserversorgung Einblicke in die Alltagsgeschichte des Klosterlebens und auch Antworten auf Fragen wie „Was machen Männer in einem Frauenkloster?” geben. Anhand von Kräutern aus dem Klostergarten lässt sich beispielsweise verfolgen, womit die Nonnen Krankheiten bekämpften, bei den Ausgrabungen gefundene Bordüren zeigen, wie man Schafwolle verarbeitete.
„Wir haben uns bei der Konzeption zwar von wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten lassen, aber wir haben kein wissenschaftliches Museum gebaut, sondern wollen das Geschehen für jedermann erfassbar machen”, so Enaux. Insbesondere Kinder und Jugendliche will man ansprechen. Man verstehe sich auch als eine Art Lernort, sagt der zweite Vorsitzende Hans-Theo Horn, der für das Konzept mit verantwortlich zeichnet. Und weil auf dem vorhandenen Platz nur etwa die Hälfte der über 1000 vorhandenen Exponate gezeigt werden kann, plant der Verein unregelmäßig, ganz sicher aber im Jahr 2010, in zwei weiteren Kellergewölben in den Sommermonaten zusätzliche Sonderausstellungen anzubieten.
Eröffnet wird das Klostermuseum am Wochenende mit einem Fest (siehe Kasten).
Es ist mittwochs von 15 bis 18 und samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Der Eintritt kostet für Erwachsene 2, für Kinder 1 Euro.